Neuigkeiten aus dem Elisabeth Krankenhaus Recklinghausen

Donnerstag, 13.09.2018

Was tun, wenn demente Menschen weglaufen?

Was genau in den Köpfen Demenzkranker vorgeht, weiß man nicht. Aber eines wollen sie oft: einfach nur weg. Sie wollen aus dem Krankenhaus oder dem Pflegeheim weggehen, nach Hause, zum Mittagessen, zu den wartenden Kindern… Wie kann man demente Menschen daran hindern, wegzulaufen? Unser Chefarzt der Geriatrie/Neurologie Dr. Thomas Günnewig war am Mittwoch, 12. September, zu Gast in der WDR-Lokalzeit Dortmund und hat dort einige Tipps gegeben.

Dr. Günnewig spricht nicht vom Weglaufen, sondern vom Hinlaufen. Die Gründe sind vielfältig: „Zum einen können sich demente Menschen gerade unwohl fühlen und wollen deshalb weg. Ein weitere Grund können Angst und Schmerz sein. Laufen ist meist das einzige, was sie noch können in ihrem Alltag. Vor allem kommen oft aber Erinnerungen an vergangene Rollen wieder“, erklärt Dr. Günnewig. Und dann wollen sie eben zu den Kindern, die aufs Mittagessen warten, zur Arbeit oder einfach nach Hause. Gefährlich sind der Straßenverkehr und Gewässer, aber auch die Kälte kann im Winter Sorgen bereiten.

„Natürlich kann eine App helfen, jemanden zu finden, der um die Ecke verschwindet. Aber nichts geht über die menschliche Betreuung“, betont Dr. Günnewig im Interview. Denn Aktivitäten am Tag, Dinge, die diese Menschen zusammen unter guter Betreuung machen können, halten sie vom Weglaufen ab. „Wer tagsüber gut betreut und beschäftigt ist, der ist abends auch müde und kann gut schlafen.“

Auch für pflegende Angehörige hat Dr. Günnewig ein paar Tipps für Zuhause: „Man kann z.B. einen Vorhang vor die Haustür ziehen. Dann sieht man diese nicht mehr sofort und wird nicht daran erinnert, dass man jetzt nach draußen gehen könnte. Man sollte die Tür immer abschließen, vielleicht auch eine Glocke an den Türgriff machen, damit man hört, wenn dieser bewegt wird.“

Wer auf der Straße einen Senior findet, der offensichtlich verwirrt ist: „Bewahren Sie Ruhe und fragen Sie freundlich nach“, rät Dr. Günnewig. „Schauen Sie nach, ob er oder sie ein Armband aus dem Krankenhaus oder Seniorenheim trägt. Oft sind Namen auch in die Kleidung eingestickt. Ansonsten hat man sein Handy dabei und kann die Polizei zur Hilfe rufen.“